Routine „Sport“

Früher hasste ich Sport. Sport in der Schule war der pure Horror. Sport im Verein, in welchen mich meine Mutter steckte, ein nerviges Übel. Das alles aber änderte sich 2014. 2014 kaufte ich mir ein Mountainbike. Kurz vor meiner vierten Knie-OP. Und zum ersten Mal entwickelte ich Wellen für einen Gegenstand.

Überall kann man es lesen: Sport ist gesund. Sport fördert die Beweglichkeit und hilft dem Herzen sowie bei einer gesünderen Lebensweise. Das sind Gründe warum man Sport machen könnte. Ich mache Sport aber nicht aus diesen Gründen. Ich mache Sport, weil er mich das Leben spüren lässt. Und weil er bisher verhindern kann, dass aus den depressionsähnlichen Zuständen, die mich hin und wieder ereilen, richtige Depressionen werden.

Einige der Menschen mit Asperger-Syndrom die ich kenne mögen Sport. Diesen führen sie aber in der Regel nicht als Mannschaftssport aus, sondern ziehen es vor Sportarten zu wählen, die sie alleine machen können. Darunter fallen zum Beispiel das Rad fahren, schwimmen oder laufen.
Ich selbst gehe zwei Mal pro Woche schwimmen und fahre bis zu 4-5 Mal die Woche Fahrrad bzw. Mountainbike. Durch diese zwei Sportarten, vor allem durch das Fahrrad fahren, habe ich gelernt, meinen Körper richtig wahrzunehmen, meine Grenzen kennen zu lernen und mein Stresslevel auf einem akzeptablen Mittelpunkt zu halten. Zu Beginn des Trainings erforderte es sehr viel Disziplin von mir, vor allem im Bereich des Schwimmtrainings. Wer möchte schon bei Wind und Wetter auf sein Rad steigen? Oder sich in einer lauten Halle in eisig kaltes Wasser quälen? Aber nachdem ich bemerkte, was der Sport mit meinem Körper macht und das ich ihn brauche, wurde es mit der Zeit zu einer meiner Routinen. Nun ist er ein fest integrierter Bestandteil meines Alltages und nicht mehr wegzudenken. Schwimmen gehe ich regelmäßig montags und mittwochs. Nach wie vor quäle ich mich ins Wasser. Ich schwimme in einem Verein, in einer festen Gruppe mit immer den gleichen „Trainingspartnern“. Wobei es keine wirklichen Trainingspartner sind. Wir alle arbeiten nur ein und denselben Trainingsplan ab. Mehr nicht.

Mit meinem Mountainbike bin ich immer alleine unterwegs. Ich habe feste Routen mit unterschiedlichen Kilometerzahlen (10 – 40km), die ich je nach Wetterlage auswähle. In den Ohren habe ich grundsätzlich meine Stöpsel aus denen Musik kommt. Ich brauche zum Sport treiben einfach meine Ruhe von Außengeräuschen. Nur dann kann ich mich auf mich selbst konzentrieren und mich spüren und werde nicht von der Umgebung, dem vielen unterschiedlichen Lärm und den Menschen abgelenkt.
All das habe ich mir ganz ohne Trainer aufgebaut. Ich brauche auch niemanden der mir sagt, was ich tun und lassen soll, der mich antreiben oder motivieren will. Ich kann selbst bestimmen, wann ich wieviele Kilometer Fahrrad fahre, oder welche Schwimmstile ich anwende.

Aber eigentlich bin ich überhaupt nicht an Sport interessiert. Ich tue es, um nicht abzurutschen in eines der schwarzen Löcher. Um meinen Alltag zu bewältigen und einen Ausgleich zu meiner Arbeit zu schaffen. Und ich tue es, um im Gleichgewicht zu bleiben. Doch was ist wenn es einfach mal nicht geht? Immer wieder kommt es vor, dass ich krank werde. Sei es durch zu viel Stress oder weil ich von Viren und Bakterien heimgesucht werde. Dann ist es natürlich nicht möglich schwimmen zu gehen oder Fahrrad zu fahren, was für mich eine Unterbrechung meiner normalen Routinen beudeutet. Das widerrum bedeutet Stress und Stress verwandelt sich sehr schnell in Overloads. Eine Woche Zwangspause gestalten sich als äußerst kompliziert, weil mein Körper stetig nach der Fortsetzung seiner Routinen strebt. Was erschwerend hinzukommt, sind die oben genannten depressionsähnlichen Zustände. Diese werden durch den exzesessiven Sport (kurzzeitig!) abgemildert oder unterdrückt. Kann ich keinen Sport treiben, flammen diese Zustände – je länger die Sportpause dauert – immer mehr auf. Und je mehr sie aufflammen, desto unzufriedener, unausgeglichener und anfälliger werde ich für sie.

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2 Gedanken zu „Routine „Sport“

  1. jotaerresite

    In dem Beitrag erkenne ich mich ziemlich wieder. 🙂 Mit dem Sport geht es mir ganz ähnlich: in der Schule verhasstes Übel, ist er jetzt fester Bestandteil meiner täglichen Routine und als solcher nicht mehr wegzudenken. Von dem neu gewonnenen Körpergefühl, das er ermöglicht, mal ganz abgesehen.

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  2. aspicturesblog Autor

    Auch ich kann dies meinerseits nur wieder bestätigen. Das „neu gewonnene Körpergefühl“ das sich während und nach einer „Traingseinheit“ einstellt ist einfach unbeschreiblich. Leider hält dies bei mir nur für ein paar Stunden, maximalen einen Tag an und verschwindet dann wieder. Am liebsten würde ich täglich Fahrrad fahren da mir dort das Gefühl intensiver erscheint als beim Schwimmtraining!

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