Kommunikation – Missverständnisse

Oft schon habe ich mich gefragt, in wie weit meine Kommunikation mit meinen Mitmenschen und gerade mit meinen Arbeitskollegen „funktioniert“. Erst vor kurzem fand ein Gespräch zwischen einer Arbeitskollegin, meiner Chefin und mir statt. Themenpunkt: Meine Reaktion auf Situationen bzw. auf die Ansprache vonseiten der Kollegin sei oft wohl nicht so, wie diese es in diesem oder jenem Moment erwarten oder sich wünschen würde. Erwähnenswert ist, dass dort bisher niemand über meine Diagnose Bescheid weis.

An dieser Stelle einer der Gründe für das o.g. Gespräch: Mittagesessenszeit in unserer Einrichtung. Die Kinder sind bereits alle fertig mit der täglichen Nahrungsaufnahme. Ich gehe meiner mir selbst aufgebauten Routine nach – dem Wegstellen der Schüsseln in die Küche. Urplötzlich wird mein normaler Ablauf durch einen ohrenbetäubenden Knall gestört. Der Teller eines Kindes fiel auf den Boden und zersprang in tausend Porzelanscherben. Bis unter den Herd wurden sie geschleudert. Hübsch sah es aus. Das war mein erster Gedanke. Mein zweiter Gedanke galt dem lauten Knall oder vielmehr dem Scheppern, welches noch immer in meinen Ohren widerhallte. Grauenvoll. Am liebsten wäre ich geflüchtet. Von draußen sprach meine Kollegin sehr energisch. „Keiner bewegt sich vom Fleck. Alle gehen weg! Keiner verlässt seinen Platz.“ Mein folgender Gedanke galt diesem verwirrenden Satz: Wie konnte man sich nicht vom Fleck bewegen, gleichzeitig weg gehen und trotzdem nicht seinen Platz verlassen? In Trance und immernoch geschockt von dem Geräusch, das sich wohlbemerkt immernoch in meinen Ohren befand, verließ ich routinemäßig die Küche. Meine Kollegin kreischte:“ Keiner rührt sich vom Fleck!“ Zu diesem Zeitpunkt stand ich bereits in diesem wunderhübschen Scherbenmeer. Mich immernoch in Trance befindend antwortete ich:“ Ich hab`ja Schuhe an.“ – Das war am 20. März, 12:25 Uhr / Frühlingsanfang. Gestern war das Gespräch. Und ich hatte schon längst vergessen, was an diesem Tag, am 20. März um 12:25 Uhr, passiert war. Auf dem Weg nach Hause regte ich mich auf. 30 Minuten länger auf der Arbeit. Wegen etwas völlig sinnlosen. 30 Minuten Zeitverschiebung. Alles aus der Bahn, alles neu planen. Aber für meine Kollegin war es wohl schrecklich. Keine Ahnung warum. Aber eines weiß ich ganz genau: Das ich nicht weiß, was meine Kollegin jetzt eigentlich von mir wollte.

Das Fazit, welches ich aus diesem Gespräch für mich ziehen konnte ist, dass meine „Andersartigkeit“ im täglichen Umgang mit meinen Kollegen in der Kommunikation und im Sozialverhalten sowie der Art und Weise, wie ich Kontakt aufnehme und gestalte mehr auffällt, als ich bisher dachte. Und es daher offensichtlich zu Missverständnissen kommt. Diese Missverständnisse und Schwierigkeiten entstehen, da ich Probleme mit der sozialen Interaktion und Kommunikation im Allgemeinen habe. Erschwerend kommt hinzu, dass ich Aussagen anderer meist nicht oder anders verstehe und mich selbst – trotz meines recht hohen Sprachniveaus – oft nicht verständlich ausdrücken kann. Zudem ist meine Verarbeitungskapazität für verbale Informationen und Sätze eingeschränkt oder wird durch äußere Reize, welche gerade in einer Kindertagesstätte reichlich vorhanden sind, gestört. Dadurch ist die Verarbeitungszeit viel länger und die Reaktionen meinerseits erfolgen aus diesem Grund verzögert. Oder eben gar nicht. Auch lenken mich andere Reize sehr schnell und leicht ab, bspw. die Schönheit der Scherben – am liebsten hätte ich sie fotografiert – und vergesse darüber hinaus, was gesagt wurde und reagiere mehr aus meiner Routine heraus als aufgrund des an mich gerichteten Satzes. Dabei macht sich auch die Schwierigkeit bemerkbar, flexibel auf neue oder veränderte Situationen zu reagieren.

Gerade im oft hektischen, lauten und bisweilen chaotischen Kita-Alltag oder bei solchen „Sondersituationen“ kann ich mich nur schwer auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren und überhöre dadurch oft wichtige Hinweise und Aufforderungen, welche durch den Tonfall, die Sprachmelodie oder andere nonverbale Signale vermittelt wurden. Und so entstehen diese Missverständnisse und der Eindruck von Desinteresse oder Ablehnung der betreffenden Person.

Viele Jahre habe ich gebraucht mühsam zu erlernen, welche Gesten, Mimiken und Körperhaltungen was bedeuten und wie und wann sie am besten eingesetzt werden. Perfekt darin bin ich bis heute nicht. Viele Stunden verbringe und habe ich vor unserem Bad-Spiegel verbracht, um im Alltag wahrgenommene Mimiken nachzuahmen und mir einzuprägen, wie sich bei welcher Grimasse mein Gesicht anfühlt. Diese erlernten Gefühle und Grimassen versuche ich auf soziale Situationen zu übertragen.

 

 

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Ein Gedanke zu „Kommunikation – Missverständnisse

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