Aspi und NT

Viele „Freunde“ hatte ich in meiner Jugendzeit, ohne wirklich zu wissen, was „Liebe“ wirklich ist, wie man „richtig“ fühlt und sich als Partner verhält. „Freunde“ kann man daher meine Ausflüge in eine andere, mir unbekannte Welt, eigentlich nicht nennen. Doch nach zahlreichen fehlgeschlagenen Versuchen habe ich mich noch einmal auf den Weg ins Abenteuer „Liebe und Partnerschaft“ begeben. Und bisher habe ich es nicht bereut. Seit ein paar Monaten wohnen wir zusammen was sich als wahrliche sinnvolle Entscheidung herausgestellt hat. Wo ich zu Anfang noch zweifelte, Angst hatte, meine Routinen und meinen Halt zu verlieren, habe ich jetzt – nach einigen Monaten – mehr Sicherheit gewonnen als ich mir jemals erträumt hätte. Beim Zusammenleben gibt es durchaus einige Vorteile die man genießt. Ganz gleich ob ich etwas gemacht habe, was jemand beeindrucken könnte, ob es da eine Rechnung gibt, die man sich teilen könnte, mit dem ich lachen und reden kann – es gibt jemanden und dieser jemand interessiert sich für mich, für das was ich mache, was mich bewegt, interessiert, beschäftigt – einfach alles. Ich brauche meinen Partner um in der Spur bleiben zu können, der mich stützt wenn es mal wieder bergab geht. Er hat sich umfassend über das Asperger – Syndrom informiert und weiß einfach irgendwie immer, wie er mit mir umgehen muss. Viel zu oft sage ich ihm:“ Warum ist das bei uns so? Ich hatte so etwas noch nie.“ Und das stimmt auch. So etwas HATTE ich einfach noch nie.  Jeder andere den ich bisher meinen „Freund“ genannt habe, hatte und konnte nicht das, was mein jetziger Partner kann und macht. Vermutlich liegt es daran, das er bereit ist, sich über meine „Probleme“ zu informieren, sich bewusst zu machen, mit wem oder was er es hier zu tun hat. Mit wem er da zusammenlebt und was alles passieren kann. Er ist für mich da , wenn ich ihn brauche, bestärkt und lobt mich für Dinge die ich gut mache und vor allem kann er unterscheiden zwischen „nicht tun wollen“ und „nicht tun können“!! Und das ist sehr wertvoll im Hinblick auf sehr viele Sequenzen des Tages, unseres Lebens. Auch reden wir sehr viel miteinander, gerade wenn Missverständnisse entstehen. So gibt er auch mir die Möglichkeit seine Gedanken und Gefühle immer besser verstehen zu können. Aspi und Nt lautet der Titel dieses Blogbeitrages. Warum? Weil er ein NT ist – ich bin Aspi.

Er hat sich auf das Abenteuer „Asperger“ eingelassen, meistert Aufgaben und Hürden wie in einem seiner Computerspiele um zum nächsten Level aufzusteigen. Er besiegt schwarze Löcher, bekämpft Ängste und hält abstruse Sorgen und Gedanken in Schach. Er setzt Zauberwörte und besondere Aktionen ein, um sein Aspi-Mädchen glücklich zu machen und vergrößert dadurch immer mehr das Farbspektrum seiner Wellen die er sendet. Er tut alles für uns und unsere wunderbare Beziehung… und dafür habe ich die kunterbuntesten Wellen für ihn. Oder für NT’s: Dafür liebe ich ihn über alles!!

Das einzige, was mir manchmal Sorgen bereitet ist, dass ich nicht weiß, wie ich ihm das zurückgeben kann. Ich mache nicht so wunderhübsche Dinge wie er. Ich mache ihm Obstschälchen, backe Kuchen, kuschel ihn wenn der k.o. ist (obwohl ich vielleicht gerade meine „Nicht – Anfassen – 5 Minuten“ habe.

Aber trotzdem habe ich das Gefühl, er gibt mir mehr als ich (geben kann)…….

Advertisements

2 Gedanken zu „Aspi und NT

  1. aspifamily

    Hallo, danke für deine Worte. Auch ich habe es ähnlich erlebt. Als ich meinen Mann kennen und lieben lernte, war er der erste, der mir glaubte, dass wenn ich sage „ das ist mir zuviel!“ das dies auch genauso stimmt. Ich war und bin anders, aber dies war und ist ihm egal. Er liebt mich so wie ich bin. Nun sind wir schon über 30 Jahre zusammen und haben 4 Kinder. Über einen Bericht in der Tageszeitung und 2 betroffene Kinder, bin ich dann auf Asperger gestoßen. Seitdem hat sich viel verändert in unserer Familie. Davon berichte ich auch in einem Blog – aspifamily. Vorallem über den Stress mit unserem jüngsten, der nicht mehr in die Regelschule gehen kann.äeuch alles gute und glaube daran, dass es wirklich Menschen gibt, die uns lieben, auch oder gerade weil wir anders sind.
    Gruß Anne

    Gefällt mir

    Antwort
  2. Pingback: Diagnose im Bereich Autismus-Spektrum – Ja oder nein? – Gedanken | Aspictures

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s