Sensorischer Bereich

Jeder einzelne Sinn verfügt über die Anlage zur Verfeinerung. Ohne die Umwelt und entsprechende Anreize um einen herum gäbe es keine Sensibilisierung . Stattdessen würde eine gewisse Einseitigkeit, Verflachung und eine dadurch entstehende Verkümmerung der sinnlichen Wahrnehmung herbeigeführt werden. Auch Reizüberflutungen – so wie wir sie ständig oder öfter haben – beeinträchtigen die Sinne. Sie sind dann nicht mehr zu genauen Differenzierungen fähig.

Von außen kommende Reize werden von den Sinneszellen des Menschen aufgenommen und umgeformt. Die Sinneszellen befinden sich an festgelegten, unveränderlichen Stellen in der Großhirnrinde im Gehirn des Menschen. Ankommende Reize werden an diese durch chemisch und elektrisch stattfindende Vorgänge weitergeleitet.

Die Wahrnehmung erfolgt über verschiedene Sinne:
– sehen (optische,visuelle Wahrnehmung)
– hören akustische, auditive Wahrnehmung)
– fühlen (taktile, haptische Wahrnehmung)
– riechen (olfaktorische Wahrnehmung)
– schmecken (gustatorische Wahrnehmung)
– spüren der Bewegung (kinästhetische Wahrnehmung)

Menschen wie ich, die im Autismus-Spektrum liegen, haben die gleiche Ausstattung wie andere Menschen die nicht im Spektrum liegen. Unser Gehirn sammelt und verarbeitet genauso wichtige Informationen über sein Umfeld, jedoch ist die Toleranz der Eigenwahrnehmung der Reize eine andere. Das Gehirn hat Schwierigkeiten, die Reize zu sammeln, zu filtern und zu verarbeiten und dadurch entsteht eine Über- oder Unterempfindlichkeit, welche dazu führt, dass die Impulse, die das Gehirn erreichen, entweder zu stark oder zu schwach sind. Oftmals können sie daher vom Gehirn erst gar nicht erkannt werden. Das hat oftmals falsche Reaktionen zur Folge.

Wie nehmen autistische Menschen von außen kommende Impulse wahr?

SEHEN – Menschen im Autismus-Spektrum können Wissenschaftlern zufolge einen besonders entwickelten Sehsinn haben und Gegenstände aus dreifach größerer Entfernung sehen, als nicht-autistische Menschen. Sie haben auch die Fähigkeit, Gegenstände klar zu erkennen, die vor Hintergründen mit komplizierten Mustern platziert wurden oder gleiche Dinge wiederzuerkennen. Stichwort Detailwahrnehmung. Ich richte meinen Blick oft auf Linien, Ecken, Muster, kleine Blütenblätter, Steinchen, etc. – auf die kleinsten Details eben. Das große Ganze, das Bild ansich, wird dadurch für mich unsichtbar.

HÖREN – Der Hörsinn von Autisten kann entweder über- oder unterempfindlich sein. Ich gehöre zu denjenigen, die sehr gut hören, und fliehe oft vor akustischen Reizen, indem ich mir z.B. die Ohren zuhalte, summe oder gänzlich den Raum verlassen, um die vielen Geräusche um mich herum zu übertönen. eine weitere große Hilfe bieten mir meine „Ohren„.

FÜHLEN – Viele Autisten im Autismus – Spektrum möchten nicht gerne berührt oder umarmt werden. Auch häufiges Wechseln der Kleidung, dass Kämmen der Haare oder das Waschen fällt vielen nicht leicht. Berührungen werden oftmals als unangenehm bis schmerzlich empfunden. Doch manche Autisten empfinden hier das Gegenteil und können bei bestimmten Berührungen richtig abschalten und entspannen. Ist die Wahrnehmung eher schwach ausgeprägt, erzeugen manche Autisten die Reize selbst indem sie sich beißen, schlagen oder kratzen. Dies geschieht bei mir vor allem dann, wenn ich mich gerade in einem Overload, Shutdown oder Meltdown befinde. In solchen Momenten fühle ich keinen Schmerz und habe den inneren Antrieb mir selbst welchen zuzufügen, damit ich „den Weg zurück“ wiederfinde …

RIECHEN – Die Geruchswelt ist eine vielfältige und gerade dort, wo viele Menschen aufeinander treffen, sammeln sich viele unterschiedliche Gerüche. Umgebungsgerüche, Blumen, Rauch, Abgase, Seife, Shampoo, Essensgerüche, Feuchtigkeit, Waschmittel, Parfüm, der individuelle Geruch von Kleidung und Schuhen – um nur einige wenige zu nennen – sind starke Reize, welche alle im selben Moment auf mich einprasseln. Ist es zu viel, löst dies bei mir Kopfweh und Abgeschlagenheit aus. Meist bin ich dann unfähig „weiterzumachen“ und möchte einfach nur noch nach Hause.

SCHMECKEN – Schmecken, ein ganz heikles Thema. Viele Autisten haben Schwierigkeiten mit den Konsistenzen oder dem Geschmack der Nahrungsmittel. So auch ich und daher werden bestimmte Nahrungsmittel von mir entweder völlig abgelehnt oder ich esse diese exzessiv. An erster Stelle für „exzessiv“ stehen bei mir ganz klar saure Gurken. Ein Glas schaffe ich in zwei, maximal drei Tagen. Käse umfasst den Hauptbestandteil meiner Nahrung. Nudeln mag ich überhaupt nicht und so weiter …

FAZIT

Nur wenige Menschen und nur Menschen aus meinem nahen Umfeld wissen von meiner Asperger – Diagnose. Daher stoße ich im Alltag oft mit meinem Verhalten auf Unverständnis anderer Erwachsener. Ich selbst hingegen wundere mich sehr oft darüber, warum andere Erwachsene lachen, weinen oder manche Gesten und Tätigkeiten ausüben. Dadurch entsteht zwischen mir und „den Anderen“ eine Mauer. Ich bleibe in MEINER Welt, wundere mich, ertrage es, aber sage nicht weiter. In meinem Alltag wünsche ich mir einfach nur Routinen, Sicherheit und keine unvorhergesehenen oder ungeplanten Ereignisse.
All das ist Gott sei Dank bei meiner Arbeitsstelle und auch bei mir zu Hause gegeben. Natürlich gibt es immer mal wieder kleinere Veränderungen, aber damit komme ich soweit zurecht solange „das große Ganze“ im Rahmen und in Fluss bleibt.

Ein Gedanke zu „Sensorischer Bereich

  1. lizzzy07

    Oder: ein Gewürzladen, Daneben ein Fressstand, gegenüber eine Parfümerie, daneben ein Teeladen. Plus Menschenmassen (Obwohl der Betrieb noch größer sein könnte). Dieser Overkill auf ein paar Metern kannst du dir sicher vorstellen. Jetzt weiß ich, warum ich orientalische Basare hasse: deswegen. Dagegen in der Landschaft an einer bestimmten Stelle duftet alles nach dem massenhaft blühenden Lavendel. Herrlich. Der plätschernde Bach ebenfalls. Dagegen verhasst: Motorradrowdys, wahlweise auch per Auto. An einen krähenden, geflügelten Wecker (lebendiger Hahn) kann ich mich gewöhnen. Beruhigend: tiefes, gedehntes Mäh (den Tieren geht’s gut.)

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