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- seit 2013 Verdacht auf Autismus - seit 2017 Diagnose F84.5 (Asperger - Syndrom) - Schattenspringer - Ein Leben in der falschen Welt -

Diagnose im Bereich Autismus-Spektrum – Ja oder nein? – Gedanken

Lange habe ich gebraucht, um darüber endlich schreiben zu können.
Bereits im Januar 2017 wurde ich an der Uniklinik Köln diagnostiziert, doch erst jetzt finde ich Worte dafür.

Irgendwas ist anders – aber was?

Vor der Diagnose habe ich lange mit mir gehadert. Was stimmt nicht mit mir? Warum bin ich so anders als meine Klassenkameraden in der Schule? Warum mag ich keine Partys? Warum hasse ich Menschenmengen? Warum rede ich nicht gerne mit fremden Menschen? Warum bin ich am liebsten alleine in meinem Zimmer? Warum klappt es mit den Freunden nicht? Fühlen und sehen andere Menschen auch Wellen? Warum esse ich immer dasselbe und WARUM stört das andere Menschen? Woher kommen diese ganzen Wutausbrüche? Warum sage ich Dinge, die ich gar nicht sagen will?

Viele Fragen schwirrten mir im Kopf herum, als ich mit 13 Jahren begriff, dass das was ich mache, tue und sage nicht dem Standart der Jugend entspricht. Ich fühlte mich anders, ich war anders und wurde auch von anderen als anders wahrgenommen. Warum? Darauf konnte mir niemand eine Antwort geben. Bis ich mit 20 Jahren (im Jahr3 2013) die Aufgabe erhielt, mir ein Thema für meine Facharbeit auszusuchen. Es zog mich zu dem Lernfeld „Besondere Bedürfnisse – Unterschiedlichkeit und Vielfalt leben“ hin und schnell fand ich auch ein Thema in diesem Bereich: „Soziale Integration von Kindern mit Autismus in einen Kindergarten mit Hilfe von Alltagsritualen.“ Schnell stellte ich fest, dass vieles, was ich dort niederschrieb auch auf mich zutraf. Ich lernte mich zum ersten Mal richtig kennen und wusste auf einmal Antworten auf meine so zahlreichen Fragen.

Ohne Diagnose Sicherheit gewinnen – geht das?

Eine ungefähre Orientierung – ob ja oder nein – erhielt ich damals durch einen ersten Online Test. Natürlich war mir klar, dass ein Online-Test keine gesicherte Diagnose eines Psychiaters ersetzt, aber er kann ein entscheidender Wegweise sein. =>http://rdos.net/eng/Aspie-quiz.php
Nachdem ich über Wochen und Monate hinweg immer mal wieder solche Tests durchführte und immer ähnliche Ergebnisse herauskamen entschloss ich mich, mich in einem Forum für Menschen aus dem Autismus-Spektrum anzumelden. Ich erhielt nun die Möglichkeit, mich mit anderen Autisten auszutauschen, konnte über das Leben im Autismus-Spektrum lesen und fing an, mich immer besser zu verstehen und zu akzeptieren.
Irgendwann aber kam der Wunsch auf, es „richtig“ wissen zu wollen. Zu erfahren, ob ich mit meiner Vermutung wirklich richtig lag. Meine Mutter war da leider anderer Meinung: „Du brauchst keine Diagnose, um autistisch zu sein. Du weißt doch selbst am besten, wer du bist. Niemand anderes kann einem das sagen. Auch kein Psychiater.“ Natürlich sind wir alle indivuell, haben andere Wünsche, Vorstellungen und Ideen. Aber manchmal gibt es da eben diese eine Person, die es genauer wissen will.

Doch eine Diagnose wurde zunächst einmal verschoben mangels entsprechender Hilfe.

Diagnose? – Diagnose !

Natürlich hat eine Diagnose, wie so viele andere Sachen auch, Vor- und Nachteile.

Vor der Diagnose wog ich natürlich nicht ab, ob diese sinnvoll ist oder nicht. Ich wollte es einfach wissen. Und so kam es schlussendlich auch zu einer – im Jahre 2016/2017. Also ganze drei Jahre nach meiner ersten Selbstdiagnose.

Grund dafür war zum einen, dass es da auf einmal jemanden gab (siehe auch Aspi und NT) der sich für mich interessierte und mir helfen wollte. Zum anderen kam ein weiterer wichtiger Aspekt in Betracht: Ich konnte einfach nicht mehr. Mit dem ständigen Versuch, “neurologisch typisch” zu wirken und vor allem zu sein (was in meinem Job besonders wichtig ist), war ich mehr und mehr überfordert von dieser Situation. Ebenso war ich ausgelaugt, kaputt, müde. Bisher habe ich, ein Jahr nach der Diagnose – nur ein Hilfsmittel zur Unterstützung zur Bewältigung meines Alltages erhalten – meine zweiten Ohren. Leider musste ich feststellen, dass ich auch mit Diagnose nicht die Unterstützung erhalte, welche ich mir im Nachhinein erhofft hatte.

Fazit

In erster Linie strebte ich ein gesichters Wissen an. Ich wollte nicht mein Leben damit verbringen zu ahnen, dass ich autistisch sein könnte. Ich wollte wissen ob ich mich irre oder richtig liege. Das war der Hauptgrund der Diagnose.

Nebenbei auftretender Grund war die mögliche Inanspruchnahme diverser Hilfen die bis dato noch nicht sehr weit gediehen sind. Ein Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis wurde abgelehnt – lediglich 30% gestanden sie mir zu, OHNE zu wissen, wie mein Leben tatsächlich abläuft. Aber hier ist der Kampf noch nicht verloren.
Vor einer Diagnose sollte auf jeden Fall überlegt, welche Unterstützung man braucht und wie bzw. woher man sie bekommen kann. Dann kann man darüber nachdenken, ob eine Autismus-Spektrum-Diagnose dafür unbedingt nötig ist oder ob einem die Selbstdiagnose reicht.

Und wem die Selbstdiagnose nicht reicht, der kann sich natürlich diagnostizieren lassen.

Bereut habe ich es bisher nicht – im Gegenteil – ich habe mich und mein Verhalten besser verstehen und lieben lernen können.

Wer Interesse an meiner Facharbeit hat – über Amazon ist sie erhältlich:

Facharbeit „Soziale Integration von Kindern mit Autismus“ Amazon-Link

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Anpassung?!

„Es ist fast immer klüger, sich den Vorstellungen anzupassen, welche die Menschen von uns haben, als ihnen ihre Illusion zu nehmen.“ *Sigmund Graff*

Doch genau das tun wir. Tag für Tag, immer wieder aufs Neue rauben wir unseren Mitmenschen die Illusion. Indem wir uns nicht so gut oder schnell anpassen können und wollen.

Anpassen, Anpassung – was ist das und wenn ja, wie funktioniert das? So ein bisschen habe ich herausgefunden, wie das mit der Anpassung funktioniert. Bei mir läuft das in etwa so ab: Zuhören. Nicken. Lächeln. „Wie bitte?!“ denken. Denn anders funktioniert es bei mir nicht. Vom „Fragen-nicht-Versteher“ bin ich nach und nach zum Mitläufer mutiert. Aber nur auf der Arbeit, denn da bietet mir das „Mitlaufen“ eine gewisse Sicherheit. Ich habe mir abgeguckt wie ich gucken muss, habe mir abgehört, was ich sagen muss und wann ich besser den Mund halte. Habe mir abgeguckt wie ich wann zu reagieren habe. So klappt das mit der Anpassung – in diesem Gebiet. Doch scheinbar bin ich nicht mehr angepasst, wenn ich nicht zugreife, wenn ein Kollege Geburtstag hat, weil ich nur bestimmte Sachen esse. Wenn ich mich bei Fortbildung in die Küche verkrümel anstatt mit den anderen an der Tafel zu dinieren und mich über sinn- und belanglose zu unterhalten. Denn fann ernte ich immer komische Kommentare und blicke. Scheinbar bin ich auch dann nicht angepasst, wenn ich mit niemandem etwas unternehmen will. Und auch mein exzessiver Sport zählt wohl nicht zu der Art „Anpassung“ die sich die anderen Menschen wünschen. Ich passe mich an – nach meinem Regeln und Möglichkeiten. Aber ich stehe trotzdem immer ein wenig außerhalb des Geschehens. Weil ich in den Augen der Anderen nicht angepasst genug bin in ihre Welt.

Jeden Tag raube ich Kollegen und anderen Menschen ihre Illusion. Wenn ich nicht wie erwartet reagiere oder meinen Partner für mich sprechen lasse.

Warum soll es klüger sein, sich den Vorstellungen anzupassen? Ich glaube, die Menschen lassen einen eher in Frieden, wenn man sich ihnen anpasst. Dann fällt man nicht so auf in der breiten Masse.

Doch wenn man diesen akrobatischen Akt der Anpassung nicht schafft, bleibt man mit seinem „andersartigen“ Verhalten immer Zielscheibe der breiten, langweiligen, angepassten Gesellschaft.

Manchmal ist es Segen, manchmal Fluch, aber trotzdem bin ich stolz darauf, Asperger – Autist zu sein, anders zu denken, zu fühlen, mehr zu sehen und wahrzunehmen – auch wenn das mit der Anpassung irgendwie nicht klappen will. Aber vielleicht soll es ja auch gar nicht klappen? Vielleicht erfüllen wir, die sich nicht anpassen können, einen ganz wichtigen Zweck in diesem / unserem Leben? Vielleicht sind wir es, die dem Leben – nicht nur unserem sondern auch dem der Anderen – mehr Farbe und Besonderheit geben?

Aspi und NT

Viele „Freunde“ hatte ich in meiner Jugendzeit, ohne wirklich zu wissen, was „Liebe“ wirklich ist, wie man „richtig“ fühlt und sich als Partner verhält. „Freunde“ kann man daher meine Ausflüge in eine andere, mir unbekannte Welt, eigentlich nicht nennen. Doch nach zahlreichen fehlgeschlagenen Versuchen habe ich mich noch einmal auf den Weg ins Abenteuer „Liebe und Partnerschaft“ begeben. Und bisher habe ich es nicht bereut. Seit ein paar Monaten wohnen wir zusammen was sich als wahrliche sinnvolle Entscheidung herausgestellt hat. Wo ich zu Anfang noch zweifelte, Angst hatte, meine Routinen und meinen Halt zu verlieren, habe ich jetzt – nach einigen Monaten – mehr Sicherheit gewonnen als ich mir jemals erträumt hätte. Beim Zusammenleben gibt es durchaus einige Vorteile die man genießt. Ganz gleich ob ich etwas gemacht habe, was jemand beeindrucken könnte, ob es da eine Rechnung gibt, die man sich teilen könnte, mit dem ich lachen und reden kann – es gibt jemanden und dieser jemand interessiert sich für mich, für das was ich mache, was mich bewegt, interessiert, beschäftigt – einfach alles. Ich brauche meinen Partner um in der Spur bleiben zu können, der mich stützt wenn es mal wieder bergab geht. Er hat sich umfassend über das Asperger – Syndrom informiert und weiß einfach irgendwie immer, wie er mit mir umgehen muss. Viel zu oft sage ich ihm:“ Warum ist das bei uns so? Ich hatte so etwas noch nie.“ Und das stimmt auch. So etwas HATTE ich einfach noch nie.  Jeder andere den ich bisher meinen „Freund“ genannt habe, hatte und konnte nicht das, was mein jetziger Partner kann und macht. Vermutlich liegt es daran, das er bereit ist, sich über meine „Probleme“ zu informieren, sich bewusst zu machen, mit wem oder was er es hier zu tun hat. Mit wem er da zusammenlebt und was alles passieren kann. Er ist für mich da , wenn ich ihn brauche, bestärkt und lobt mich für Dinge die ich gut mache und vor allem kann er unterscheiden zwischen „nicht tun wollen“ und „nicht tun können“!! Und das ist sehr wertvoll im Hinblick auf sehr viele Sequenzen des Tages, unseres Lebens. Auch reden wir sehr viel miteinander, gerade wenn Missverständnisse entstehen. So gibt er auch mir die Möglichkeit seine Gedanken und Gefühle immer besser verstehen zu können. Aspi und Nt lautet der Titel dieses Blogbeitrages. Warum? Weil er ein NT ist – ich bin Aspi.

Er hat sich auf das Abenteuer „Asperger“ eingelassen, meistert Aufgaben und Hürden wie in einem seiner Computerspiele um zum nächsten Level aufzusteigen. Er besiegt schwarze Löcher, bekämpft Ängste und hält abstruse Sorgen und Gedanken in Schach. Er setzt Zauberwörte und besondere Aktionen ein, um sein Aspi-Mädchen glücklich zu machen und vergrößert dadurch immer mehr das Farbspektrum seiner Wellen die er sendet. Er tut alles für uns und unsere wunderbare Beziehung… und dafür habe ich die kunterbuntesten Wellen für ihn. Oder für NT’s: Dafür liebe ich ihn über alles!!

Das einzige, was mir manchmal Sorgen bereitet ist, dass ich nicht weiß, wie ich ihm das zurückgeben kann. Ich mache nicht so wunderhübsche Dinge wie er. Ich mache ihm Obstschälchen, backe Kuchen, kuschel ihn wenn der k.o. ist (obwohl ich vielleicht gerade meine „Nicht – Anfassen – 5 Minuten“ habe.

Aber trotzdem habe ich das Gefühl, er gibt mir mehr als ich (geben kann)…….

>>Winzige Ereignisse haben große Konsequenzen und bringen das Netz aus Ritualen und somit die Ordnung meiner Welt durcheinander.<<

Distanz

Ich bin lieber leise als laut. Das war schon immer so. Bereits als Kind – als noch niemand von meinen Besonderheiten wusste – habe ich andere Kinder lieber aus sicherer Entfernung beobachtet als auf sie zuzugehen. Schon immer konnte ich Situationen, in welchen alle Augen auf mich gerichtet sind und ich auch noch etwas tun oder sagen sollte, auf den Tod nicht ausstehen. Ich fühlte mich einfach unwohl. Sehr unwohl! Wenn ich fremde oder auch mir bekannte Menschen begrüßen sollte, vermied ich den Blickkontakt, murmelte irgendetwas vor mich hin und versteckte mich hinter meiner Mutter. Ungewohnte Situationen machen mir Angst. Dass ich nicht so unbefangen und offen auf andere oder fremde Menschen zugehen kann, ist Teil meiner Persönlichkeit. Teil meiner Besonderheit. Teil des Asperger-Syndroms. Schon immer hatte ich eher weniger Interesse an sozialen Kontakten- gerade zu Gleichaltrigen. Früher orientierte ich mich an Erwachsenen, heute eher an Kindern, weil ich das Gefühl habe sie verstehen mich. Auch ein Grund, warum ich Erzieherin geworden bin.

Im Alltag bin ich sehr stark auf meine eigene Gedankenwelt fokussiert. Äußere Reize wie bspw. große Gruppen oder eine laute Umgebung mit ihren vielen unterschiedlichen Geräuschen überfordern mich sehr schnell, lassen mich müde und gereizt werden. Daher gehe ich so gut es geht im Alltag sozial herausfordernden Situationen oder Konflikten (mit Erwachsenen) lieber aus dem Weg.

In der heutigen laufen Gesellschaft der NT’s, in der Außenwirkung und die Selbstdarstellung so wichtig sind, sind derartige Charakterzüge und Besonderheiten nicht wirklich gerne gesehen oder willkommen. Dadurch werde ich ständig daran erinnert, wie anders ich doch funktioniere. Auch oder gerade heute noch fällt es mir schwer, mit fremden Menschen oder Menschen im Allgemeinen in Kontakt zu treten oder zu sprechen. Räume und Geschäfte betrete ich nur selten ohne eine Begleitung die für mich sprechen kann. In Gruppen oder bei Menschen die ich schon länger kenne wie bspw. meine Kollegen fällt mir das alles nicht ganz so schwer. Doch um diesen Zustand zu erreichen brauche ich Zeit. Viel Zeit.

Schreibkompetenz als Spezialinteresse

Wie in meinem Blogbeitrag Schreiben als Weg: Die kreative Kraft des Wortes bereits beschrieben, liebe ich es und kann mich schon immer besser schriftlich als mündlich ausdrücken. Wer seine Vorliebe im mündlichen Bereich findet, d.h. lieber von Angesicht zu Angesicht erzählt und sich auch adäquat ausdrücken und dabei mit Satzteilen jonglieren kann, der verfügt möglicherweise über eine gewisse sprachliche Kompetenz bzw. Fähigkeit. Wer allerdings lieber schreibt und im Allgemeinen schriftlich unterwegs isst, Schachtelsätze und neue Welten erschaffen kann, der könnte von sich behaupten, sich eine Schreibkompetenz angeeignet zu haben, welche über die normale Normalität hinausgeht. Aber was genau ist eigentlich Schreibkompetenz? Und warum schreibe ich einen Blog darüber?

Wie in der Überschrift vermutlich ersichtlich wird, zählt diese Form des schriftsprachlichen Umgangs seit einigen Monaten zu einem meiner Spezialinteressen. Es fing langsam an, zunächst mit dem – bereits seit der Kindheit bestehenden – Wunsch, unendlich viel zu Lesen. Das begründet auch die in „Schreiben als Weg: Die kreative Kraft des Wortes“ genannte Bücherzahl, welche sich in meinem Bücherregal angesammelt hat. Zudem interessierte ich mich schon immer für Zitate und Sprüche und fing irgendwann an, selbst welche zu kreieren. Immer aus Situationen heraus, aus Gedanken, welche mich beschäftigten und in meinem Kopf hängen blieben. Ich fing an, immer mehr zu lesen – auch wissenschaftlichere Bücher wie bspw. „Erkenne die Welt“ von Richard David Precht, in welchem es um die Geschichte der Philosophie geht. Auf dem Klappentext des Buches findet sich folgendes Zitat „Lesen ist denken mit einem fremden Gehirn. Doch das Gelesene zu verarbeiten, ist ein fortwährender Dialog mit uns selbst. Was lockt, ist die Aussicht, intelligenter über die Welt nachdenken zu können als zuvor.“
Je mehr ich las, desto tiefer verschwand ich in der Welt der Schriftsprache – in eine Welt aus unzähligen Buchstaben, Punkten, Ausrufezeichen und Kommata – in eine Welt in der ich mich wohl fühlte, in der ich aufblühte – in eine Welt in die ich immer tiefer eindringen wollte. Und das ist mir auch gelungen – sofern ich dies von mir behaupten kann. Neulich zeigte ich meiner Chefin meine Zielvereinbarung – Lerngeschichten der Kinder. Viiiiel zu viel geschrieben, war die Reaktion. Das können wir nicht leisten – zumal mehr als die Hälfte des Teams Deutsch nicht als Muttersprache besitzt. Aber sie freue sich, so etwas auch einmal in Händen zu halten und bewundere mein großes Wissen bezüglich der deutschen Sprache und des Verfassens von diversen Texten – und seien es bloß die weniger wissenschaftlichen Lerngeschichten der Kinder. Ich liebe es einfach zu formulieren …

Kommen wir nun zum ersten Teil der Überschrift des Blogs: Was genau ist Schreibkompetenz eigentlich? Da ich dies mit eigenen Worten eher mangelhaft erklären könnte, bediene ich mich an dieser Stelle der Informationen der Internetseite der Universität Bamberg:   Schreibkompetenz UNI Bamberg

  1. Schreibkompetenz

„Mit dem Begriff bezieht man sich im Allgemeinen auf die Fähigkeit, komplexe sprachliche Äußerungen bzw. Texte so zu verfassen, dass sie über Raum und Zeit prinzipiell für andere und einen selbst lesbar sind. […] Schreibkompetenz ist demnach ein wesentlicher Aspekt von Sprachkompetenz im Medium der Schrift.“ Diese setzt sich aus verschiedenen sprachlichen Teilfähigkeiten zusammen. „Um Teilfähigkeiten genauer zu beschreiben, orientiert man sich häufig an Schreibprozessmodellen“ (Krelle 2013, 326 f.).

Unter einer voll ausgebildeten Schreibkompetenz versteht man die Fähigkeit, einen Text abstrahiert vom Hier und Jetzt, über die unmittelbare Schreibzeit und den Schreibort hinaus und entsprechend einer Schreibfunktion prinzipiell für jedermann lesbar zu verfassen (vgl. Ossner 1995) und damit verschiedene Funktionen der Schriftlichkeit zu realisieren. Diskutiert wird Schreibkompetenz vor allem in Zusammenhang mir den (z.T. enttäuschenden) Ergebnissen aus empirischen Studien, d.h. in Bezug auf Interventionsmöglichkeiten; so erörtert z.B. Schäfer (2009) Möglichkeiten der Erfassung von “Schreibschwierigkeiten“ bei Hauptschüler/-innen. Die neuere Forschung betont aber viel grundsätzlicher, dass neben „Textwissen“ (Formen des Schreibens, Textsorten) auch „Schreibbewusstsein“ gebraucht wird (vgl. Berning 2011); dieses umfasst neben einer Reflexion von Schreibzielen und der Möglichkeit/Bereitschaft zur Textverbesserung vor allem eine metakognitive Komponente, nämlich die Fähigkeit zur (Selbst-)Beobachtung und damit Steuerung des gesamten Prozesses (vgl. Berning 2011, 12).

 

Schreibkompetenzmodelle

Modelle der Schreibkompetenz beruhen auf der Idee, dass hierfür unterschiedliche Teilkompetenzen nötig sind, die vom Schreiber sukzessive entwickelt, ausgebaut oder in eine bestehende Kompetenz integriert werden (vgl. Münch 2006). Unstrittig ist, dass Schreibkompetenz Wissen voraussetzt (z.B. über das Schreibmedium, die Rechtschreibung, die Lexik, das Thema usw.) Verschiedene Wissenstypen werden dabei differenziert (vgl. Becker-Mroczek/Schindler 2008):

  • Deklaratives Wissen (Wissen über Sachverhalte, z.B. Fakten und Begriffe)
  • Problemlösewissen (Wissen über Problemlösestrategien)
  • Prozedurales Wissen (Entlastung beim Schreibprozess durch Automatisierung von Schreiboperationen)
  • Metakognitives Wissen (Überwachung und Kontrolle selbstgesteuerter Lernprozesse)

Fix unterstützt diese Unterteilung der Wissenstypen generell. Er versteht die Schreibkompetenz des Weiteren „als die Fähigkeit,

  1. a)    pragmatisches Wissen,
  2. b)    inhaltliches Wissen,
  3. c)     Textstrukturwissen und
  4. d)    Sprachwissen

in einem Schreibprozess so anzuwenden, dass das Produkt den Anforderungen einer (selbst- oder fremdbestimmten) Schreibfunktion (z.B. Anleiten, Erklären, Unterhalten) gerecht wird“ (Fix 2008, S.33)

Damit schließt Schreibkompetenz folgende Teilkompetenzen ein:

  • Planungskompetenz (Textentwicklung: von eigenem Wissen zu differenzierter Nutzung externer Wissensspeicher, z.B. Internet, Lexika)
  • Formulierungskompetenz (Entwicklungsprozess sprachlicher Struktur- und Ausdrucksformen)
  • Überarbeitungskompetenz (Überarbeitungshandlungen, z.B. orthographische Korrekturen)
  • Ausdruckskompetenz (z.B. Textsortenspezifität, Adressatenbezug)
  • Kontextualisierungskompetenz (Textverständnis durch Kontextualisierung)
  • Antizipationskompetenz (Entwicklung von Ichbezogener Textwahrnehmung zu einem erweiterten, generalisierten Adressatenbezug)
  • Textgestaltungskompetenz (Entwicklungstendenzen von assoziativ-reihender Textgestaltung zu schema- oder textsortengestalteter Textordnung) (vgl. Pohl 2014, 114 ff.).

Dabei besteht eine enge Beziehung von Schreiben und Denken im Erfinden und Verknüpfen, im Urteilen und Schließen sowie im Erinnern.

 

Schreibkompetenz erwerben: die Entwicklungsperspektive

Verschiedene Studien – beispielsweise DESI – zeigten, dass die Entwicklung von Schreibfähigkeiten (Sprach-, Wortschatz- und Syntaxentwicklung) abhängig vom Schreibinteresse, von sozialen Faktoren, Lebensalter und Rückmeldung durch geeignete Leser erfolgt. Hierbei folgen auf erste „literacy events“ und Einsichten in das Symbolsystem Schrift vielfältige Erfahrung mit Schreiben als Handeln.
Die allmähliche Entstehung von Fähigkeiten im narrativen (erzählenden), deklarativen (aufweisenden) und argumentativen (erörternden) Schreiben wird als Textkompetenzerwerb bezeichnet. Eine Längsschnittstudie von Augst et al. 2007 befasste sich mit der Entwicklung von 39 Kindern von der 2.-4. Klasse, in Bezug auf deren Fähigkeit Texte im Rahmen verschiedener kommunikativer Anforderungen zu schreiben.  Aufgabe dieser Kinder war es, je einen Text in fünf Textsorten zu verfassen. Die Auswertung erfolgte in drei Schritten:

  1. Einordnung der Textexemplare in Stufenmodelle
  2. Untersuchung der Veränderungen sprachlicher Merkmale (z.B. Textrahmungselemente, Grammatik, Textlänge)
  3. Untersuchung der Veränderung textsortenspezifischer Aspekte

Die zentralen Erkenntnisse der Längsschnittstudie ergaben, dass von Anfang an textsortenspezifische Schreibleistungen bzw. sprachliche Merkmale feststellbar waren. Innerhalb der nächsten Entwicklungsstufe konnten bereits textsortenspezifisch gewählte Textgenerierungsmechanismen unterschieden werden (z.B. spezifische Wahl von möglichen Textbausteinen; vgl. August et al. 2007)

Zum Erwerb von Text(sorten)kompetenz gibt es verschiedene Entwicklungsmodelle (vgl. ausführlicher Feilke 2003 und zusammenfassend Wrobel 2010 sowie Becker-Mroczek 2014).

Link
Song von Mister S: Thematik Mobbing von autistischen Schülern https://www.youtube.com/watch?v=ZgZt1BaETKc
Was ich mir wünsche von unserer Gesellschaft?
Das sie einen Blick hat, für die die nicht so können wie sie wollen, dass die die nicht so können wie sie gerne möchten mehr Unterstützung erfahren. Das die Wahrnehmung geschärft wird für unser „Anders – sein“ und das Menschen im Autismus – Spektrum äußern dürfen im Spektrum zu liegen – ohne Angst haben zu müssen, gekündigt zu werden. Wie wertvoll es wäre, wenn Menschen im Spektrum offiziell in Kindertageseinrichtungen, Schulen und Horten arbeiten dürften und könnten und durch ihren „besonderen“ Blick Kinder im Spektrum erkennen und ihnen zu einer frühzeitigen diagnostischen Abklärung verhelfen und dessen Eltern unterstützen könnten. WEIL sie Ahnung haben. WEIL sie wissen wie es ist damit zu leben und das Verhalten der Kinder verstehen und deuten könnten.
WEIL sie sich einfach auskennen damit.