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Vorurteile, Alltag, unsichtbar …

Wer gut kompensieren kann, fällt nicht auf.
Wer nicht auffällt, hat augenscheinlich und gerade für den Blick der allgemeinen Gesellschaft, keine Probleme.

Wer keine Probleme hat, oder vielmehr keine Probleme zeigt, ist „normal“.

Was aber wirklich in einem Menschen los ist, was passiert, wenn …, wie viel Kraft es diesen Menschen kostet, tagtäglich über viele Stunden hinweg zu kompensieren, dass sieht niemand. Meine Arbeit spielt für mich UND ist mein Spezialinteresse. Das ist ein großer Vorteil. Denn ich arbeite als Erzieherin in einem Kindergarten. Hier gibt es Regeln, Strukturen, eine Linie, welche sich durch den Alltag, den Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresverlauf zieht. Termine werden rechtzeitig angekündigt, manchmal schon ein Jahr im Voraus. Das heißt, ich weiß genau wann was passiert. Wenn etwas geschieht, dass unvorhergesehen kommt, kann ich es viel besser einplanen wie wenn mein Berufsalltag ohnehin chaotisch wäre.

Nun werden viele sagen „Strukturen sind ja noch lange nicht alles. Was ist mit den Geräuschen, dem vielen Lärm in so einer Einrichtung?“ Dafür habe ich meine „Stöpsel für die Ohren“, einfach nur „Ohren“ genannt. Aber darüber berichte ich in einem anderen Beitrag.

Wenn ich irgendjemanden von meinen Kollegen fragen würde ob sie finden, dass ich „anders“ bin, würde dies vermutlich niemand bejaen. Generell ist mir aufgefallen, dass über uns Menschen im Autismus – Spektrum scheußliche Ansichten kursieren. Als autistisch gilt ein Mensch hier wohl NUR, wenn er auch alle typischen autistischen Zeichen zeigt. Nicht in die Augen schauen beispielsweise. Kann man das (scheinbar – ich schaue generell immer auf den Mund oder auf die Nase. Das wirkt so, als ob ich in die Augen schauen würde) doch, ist man nicht autistisch. An dieser Stelle sei kurz gesagt: Es ging hier nicht um mich. Niemand auf meiner Arbeit weiß, dass ich im Autismus – Spektrum liege. Die Welt anders sehe. Aspi bin.

So gibt es viele und noch einige andere befremdliche Ansichten. Wenn ich hier heute sagen würde, dass ich das Asperger – Syndrom habe, meine Welt ein bisschen anders aussieht, ich deshalb so „still“ bin, viel und gut beobachte und meine Pause immer alleine (und ritualisiert [zuerst wird der Joghurt gegessen und dann das Ei,…] verbringe, würden ALLE aus allen Wolken fallen (Sprichwort) und mir vermutlich nicht einmal glauben, weil … ich kann ja in die „Augen schauen“. Wohin ich wirklich blicke sieht und weiß keiner !

Und das ist der Grund, warum ich vermutlich für immer „unsichtbar“ bleiben werde und mein Leben so lebe und gestalte, wie es für mich am Besten ist.

Wie es für mich am erträglichsten ist.

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